Bäuerin aus Leidenschaft

Hanni Bliem ist Ortsbäuerin in St. Michael im Lungau und damit Ansprechpartnerin für Vereine und Schulen sowie Vertrauensperson für die Bäuerinnen der Gemeinde. Heute erzählt sie Interessantes über ihre Aufgaben und ihr ehrenamtliches Engagement rund ums Jahr. Mit dem Blick auf Weihnachten verrät Hanni Bliem außerdem ihr Lieblingsrezept für Lebkuchen.

Der Salzburger Lungau ist nach wie vor durch seine bäuerliche Struktur geprägt. Kühe auf den Weiden, bäuerliche Feste im Jahreslauf und gemeinsame Aktivitäten der Einheimischen sind im südlichsten Gau des Salzburger Landes keine Staffage, sondern gelebter Alltag. Dass sich seit ein paar Jahren die Landjugend wieder aktiv einbringt, zeigt, dass Lebensart und Tradition weiterhin liebevoll gepflegt werden. Mittendrin im Geschehen ist Hanni Bliem, die als Ortsbäuerin ganz wesentlich zur Vielfalt in St. Michael beiträgt.

 

Grüß Gott, Frau Bliem! Sie sind Ortsbäuerin – was bedeutet das eigentlich?

Die Ortsbäuerin wird alle fünf Jahre aus der Gemeinschaft der Bäuerinnen gewählt, ebenso die Stellvertreterin. Die Funktion wird als Ehrenamt, also unbezahlt, ausgeübt. Ortsbäuerinnen gibt es in ganz Österreich, wir fördern die gute Zusammenarbeit, motivieren, stärken die Gemeinschaft und hören uns auch die Sorgen unserer Bäuerinnen an. Wir sind nicht parteipolitisch orientiert, unser Interesse gilt allein dem Wohlbefinden der Bäuerinnen vor Ort. In St. Michael arbeiten wir alle auf Augenhöhe zusammen, das taugt mir sehr!

 

Wie sehen Ihre Aufgaben als Ortsbäuerin ganz konkret aus?

Die Präsentation unserer bäuerlichen Erzeugnisse liegt uns besonders am Herzen. Bei zahlreichen Festen, Märkten und Veranstaltungen während des ganzen Jahres gibt es zu probieren und zu kaufen, was wir erzeugen, von Butter und Rahm bis zu Brot und Speck. Bei Einheimischen und Gästen beliebt ist der wöchentliche Bauernmarkt in St. Michael, wo man an jedem Freitag, jeweils von 14:30 bis 17:00 Uhr Saisonales, Frisches und Hausgemachtes erwerben kann.

Sehr wichtig ist auch die Bildungsarbeit: Wir gehen in die Schulen und veranstalten zum Beispiel den „Milchlehrpfad“, erklären Kindern die verschiedenen Getreidesorten und backen gemeinsam, dafür haben wir auch ein eigenes Programm „Vom Korn zum Brot“. Außerdem sorgen wir mit unseren Produkten immer wieder für eine gesunde und regionale Jause.

Welche Lungauer Spezialitäten sind typisch für Spätherbst und Advent?

Ganz traditionell ist das „Schafaufbratln“ zur Kirchweih. Die Tiere sind von den Sommeralmen zurück, jetzt ist die Zeit für einen köstlichen Schafbraten. Typisch für den Lungau sind auch die Bauernbratwürste, die wir um diese Jahreszeit gerne auf den Märkten anbieten. Im Advent stehen natürlich Weihnachtskekse und das Kletzenbrot hoch im Kurs. Dieses Früchtebrot, dessen Hauptbestandteil getrocknete Birnen, die sogenannten „Kletzen“ sind, wird übrigens von jeder Bäuerin nach ihrem eigenen Familienrezept gebacken und schmeckt daher auch immer anders.

Sind Sie auf dem Adventmarkt in St. Michael mit dabei?

Ja, natürlich sind wir Bäuerinnen an den Adventwochenenden mit einem eigenen Stand vertreten. Neben Speck, Brot und den schon erwähnten Bauernbratwürsten und Keksen gibt es die beliebten Hasenöhrl mit Sauerkraut. Dieses Gericht ist nicht mehr so bekannt, weil es zu Hause nur aufwändig herzustellen ist. Drei- oder viereckige Teigstücke werden in Fett gebacken, bis sie richtig knusprig sind und dann mit Kraut oder auch süß mit Staubzucker gegessen. Diese Köstlichkeit lassen sich nur die wenigsten Marktbesucher entgehen!

 

Welche Veranstaltungen organisieren Sie außerhalb der Märkte?

Wie eingangs gesagt, bin ich als Ortsbäuerin neben der Vermarktung unserer Produkte vor allem für den Zusammenhalt unserer Gemeinschaft zuständig. Deshalb gibt es gezielt Veranstaltungen, die sich an unsere Bäuerinnen und Bauern richten. Da ist etwa der Almtag, an dem wir gemeinsam zu einer Hütte wandern und dort jausnen. Im Winter stehen der Bauernskitag, Eisstockschießen und Kegeln auf dem Programm, da dürfen dann auch die Männer mitmachen! Seit 25 Jahren fertigen wir die Erntekrone an, seit ein paar Jahren wieder mit Unterstützung der Landjugend. Der Nachwuchs hilft beim Ernten des Getreides und beim Binden der Krone. Das freut mich sehr, dass auch die junge Generation wieder Gefallen an unseren Bräuchen findet und die Traditionen weiter pflegt.

Liebe Frau Bliem, Sie haben uns Ihr liebstes Lebkuchenrezept mitgebracht?

Ja, sehr gerne, das Kochen und Backen ist mein Hobby und nach diesem Rezept backe ich jedes Jahr die Lebkuchen für Advent und Weihnachten:

Zutaten
500 g Zucker
4 Eier
4 EL Butter
300 g Honig
4 gestr. TL Natron
100 g lauwarme Milch
1 Pkg Lebkuchengewürz
1 kg Roggenmehl

Zubereitung
Eier und Zucker schaumig rühren – flüssige Butter, Honig und lauwarme Milch zugeben – in größerem Gefäß mit Handmixer oder in der Küchenmaschine fest schlagen – restliche Zutaten zugeben und zu weichem Teig rühren.

Den fertigen Lebkuchenteig 24 Stunden ruhen lassen!

Den Teig nach der Ruhe ca. 0,5 cm dick ausrollen (nicht dünner!) – mit Formen ausstechen – mit zerklopftem Ei bestreichen und mit Nüssen, Mandeln, kandierten Kirschen verzieren.

Anschließend 8 – 10 min bei 180 °C im Backrohr schön braun backen und auskühlen lassen. Die Lebkuchen sind nach dem Backen weich und können in Frischhaltedosen aufbewahrt werden.

Liebe Frau Bliem, danke für das Gespräch und alles Gute für Sie und alle Bäuerinnen in Ihrem Team!

Schreibe einen Kommentar

x

*required