Ein Weg für alle Sinne

Reinhard Simbürger im Gespräch

Reinhard Simbürger ist Künstler, Waldpädagoge, Musiker, Ausstellungs- und Ortsbildgestalter: Der von ihm geplante und gestaltete „Wanderweg der Sinne“ konnte im Sommer 2016 in St. Michael eröffnet werden. Simbürger erzählt, wie die Verbindung von Natur und Kunst gelingt und was ihm an seiner Heimat besonders gut gefällt…

Herr Simbürger, Sie sind Naturliebhaber und Künstler – wie ist es zu dieser Zusammenarbeit für den „Weg der Sinne“ mit dem Tourismusverband und der Gemeinde St. Michael gekommen?

Für St. Michael habe ich schon verschiedene Projekte gestaltet, zum Beispiel die Murinsel, eine Begegnungsstätte in der Natur. Bereits vor 8 Jahren wurde ich gebeten, mir Gedanken zu machen, was in St. Michael möglich wäre in Bezug auf Wanderungen rund um den Ort.

Also habe ich mich wandernd auf die Suche gemacht. Welche Schätze kann man dort heben und so aufbereiten, dass sie für die Allgemeinheit begreifbar werden? Ich bin Bildhauer, Waldpädagoge und Musiker – bei diesem Projekt sind alle Dinge zusammen gekommen.

Mir ist immer wichtig, dass so ein Projekt nicht nur für Touristen auf die Beine gestellt wird sondern auch für Einheimische, als Begegnungsort. Beim „Wanderweg der Sinne“ hat sich dann eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit mit der oberösterreichischen Künstlertruppe „Wüdwux“ ergeben, die sich auf Themenwege spezialisiert hat.

Was macht den „Wanderweg der Sinne“ so besonders?

Riechen, Tasten, Sehen, Hören und Schmecken – wir Menschen beanspruchen unsere Sinne auch im normalen Tagesablauf, nehmen sie aber oft nicht bewusst genug wahr. Meine Idee war also, eine Wanderung mit der bewussten Herausforderung zu kreieren, seine Sinne zu gebrauchen. Das hat nachweislich eine positive Wirkung auf Körper, Geist und Seele!

Wir haben dabei mit verschiedenen Naturmaterialien gearbeitet – Stein, Holz, Metall und andere – und das großteils mit heimischen Produkten. Die einzelnen Stationen sind, wie alle meine Werke, nur für den Platz selbst entstanden, die gibt es nirgends anders. Ein Flüsterfon, eine Lichtdusche, ein mystischer Felsen, in den man seinen Kopf stecken kann… die Stationen lassen sich mit allen Sinnen entdecken.

Das Vertrauen von Tourismusverband und Gemeinde in meine Arbeit ist sehr groß, ich hatte viel Freiheit und tolle Unterstützung bei der Umsetzung. Und ohne die vielen Ehrenamtlichen, die das Projekt mit koordiniert haben und den Weg nun in Schuss halten, würde es nicht funktionieren.

Unser nächstes Projekt ist jetzt die Verbindung des Weges zur Murinsel, und dann ist auch ein Vogelwanderweg in Arbeit. An Ideen mangelt es nicht!

Was gefällt Ihnen an St. Michael und am Lungau besonders gut?

St. Michael und der Lungau bieten eine unglaubliche Vielfalt an Menschen, Plätzen, Kultur, Pflanzen und Tieren. Gerade mit der Bezeichnung Biosphärenpark ist es wichtig, dass die Menschen sich bewusst werden, was für ein Naturjuwel da vor Ort vorhanden ist.

Geomanten sagen – und das ist spürbar –, dass der Lungau sehr starke Kraftplätze aufweist, und die Natur ist österreichweit einzigartig. Die Menschen können ruhig selbstbewusster sein! Tourismus ist gut, aber man darf nicht alles opfern dafür, und diese Balance ist hier im Lungau sehr gut gelungen.