Gemeinsam neue Lösungen finden

Der Bürgermeister von St. Michael im Gespräch

Manfred Sampl ist seit 2009 Bürgermeister von St. Michael. Er erzählt uns, was an seiner Arbeit herausfordernd und bereichernd ist – und was St. Michael und den Lungau in seinen Augen so besonders macht!

Herr Sampl, was muss man mitbringen, um Bürgermeister von St. Michael zu werden?

Von Kindheit an war ich in vielen ehrenamtlichen Funktionen und im Vereinswesen in St. Michael tätig. Nach der Landwirtschaftsschule in Elixhausen und anschließend 17 Jahren bei der Raiffeisenbank bin ich 2007 in den Landtag gegangen. 2009 bin ich dann zum Bürgermeister von St. Michael gewählt worden.

Ich bin gefragt worden, ob ich antreten möchte – so etwas kann man nicht erzwingen, das geht nur in Gemeinsamkeit mit dem Ort. Die Grundvoraussetzung für diese Arbeit ist, dass man Menschen mag, dass man brauchbare Lösungen für Probleme findet und dass man versucht, den Ort weiterzuentwickeln. Eine zeitaufwändige aber sehr erfüllende Arbeit, für die ich sehr dankbar bin!

Was sind die besonderen Herausforderungen dabei, was macht Ihnen besonders Freude?

Ich verstehe die Rolle des Bürgermeisters nicht als politisch, sondern sehe mich als ein Rädchen, das den Zusammenhalt im Ort gemeinsam mit allen anderen aufrecht erhält. Meine Aufgabe ist es, für Struktur und Regeln zu sorgen, auch in der Gemeindevertretung.

Jeder muss mit seinen Sorgen kommen können, egal wie groß oder klein das Problem ist, ob alt oder jung – ich versuche zuzuhören und dann nach brauchbaren Lösungen zu suchen.

Die Herausforderungen sind vor allem zeitlicher Natur: Der Tag beginnt früh und endet spät! Verschiedene Meinungen sind unter einen Hut zu bringen. Es allen recht machen zu wollen funktioniert leider trotzdem nicht, da es der sichere Weg in den Misserfolg wäre.

Es ist auch wichtig, nicht nur an den eigenen Kirchturm zu denken, sondern die Region zu sehen, den Lungau nicht aus den Augen verlieren. Wir sind hier eingebettet und es gilt, das gemeinsam mit allen 15 Orten zu tragen. Beim Biosphärenpark beispielsweise waren die Erwartungen sehr hoch und wir sind schnell auf den Boden der Realität zurückgekommen. Dennoch hat man sich entschlossen, diesen Weg fortzusetzen. Manchmal muss eben etwas wackeln, damit der Wert erkannt werden kann.

Was ist an St. Michael und am Lungau so besonders?

Ich bin hier geboren und aufgewachsen, hier sind meine Wurzeln. Wir haben eine wunderbare Natur im ganzen Jahresverlauf und eine gute Erreichbarkeit. Zum Millstätter See ist es nur eine halbe Stunde, nach Salzburg eine gute Stunde.

Und: Gerade jetzt wo so viel in der Welt in Bewegung ist, ist der Lungau eine Insel des Friedens und der Lebensqualität. Die Menschen sind vielleicht zu Beginn etwas verschlossen, aber wenn man ihr Vertrauen gewinnt, gibt es immer Unterstützung und man kann zusammen vieles erreichen.

Auch das Brauchtum über den Jahreskreislauf ist eine Besonderheit, hier wird jede Jahreszeit von Festen oder Ruhephasen begleitet – das spürt man bei uns noch viel deutlicher als in der Stadt.

Ich bin sehr dankbar, dass ich für St. Michael und die Region arbeiten darf. Es ist wunderbar zu sehen, dass Dinge bewirkt werden können – und für die Mühen gibt es viel Zuneigung und Achtung zurück!