Herr über 300 Pferdestärken

Wenn Österreichs Rallye-Staatsmeister Hermann Neubauer den Fuß aufs Gaspedal legt, dann wird das keine gemütliche Sonntagsfahrt. Den sympathischen Lungauer treiben der Ehrgeiz und der Spaß an röhrenden Motoren. Sein Arbeitsplatz, wenn er gerade keine Rallyes fährt? Ein Autohaus, was sonst.

Den Familienbetrieb, in dem sich der knapp über 30 Jahre junge Rallyefahrer mit Neu-, Gebraucht- und Mietwagen, Reparaturen, Service und Abschleppaufträgen beschäftigt, kennt er von Kindesbeinen an. Schon seine Eltern führten das renommierte Autohaus in St. Michael, mit Rallyefahren hatte der Herr Papa aber nichts am Hut. Der Zündfunke für die Karriere von Hermann junior sprang beim händlerinternen Suzuki Motorsport Cup über. „Mein Vater hat gesagt, ich darf Rallye fahren, wenn ich die Matura schaffe“, erzählt Hermann Neubauer. „Da war meine Motivation natürlich entsprechend groß und er musste sein Versprechen halten!“

Kavalierstart im Cockpit mit 18 Jahren

„Bei mir ging es gleich richtig bergauf“, berichtet Hermann Neubauer begeistert, „schon im zweiten Jahr habe ich den Cup gewonnen!“ Im dritten Jahr war er schon in der österreichischen Meisterschaft am Start, im vierten Jahr kurvte Hermann erfolgreich mit Frontantrieb über Stock und Stein, bevor die Allradklasse sein fahrerisches Zuhause wurde. Ein Stockerlplatz jagte den anderen und 2016 holte der engagierte Amateur den Titel des österreichischen Staatsmeisters.

Mit dabei von der Partie: Neubauers Co-Pilot, in der Szene ganz und gar kein Unbekannter. Seit Jahren fährt Bernhard Ettel mit Hermann Neubauer Erfolge ein – und tüftelt mit ihm gemeinsam an Strategien, wenn es einmal nicht so läuft. Zum Beispiel wie 2017, als bei einer Sonderprüfung im niederösterreichischen Waldviertel eine gebrochene Antriebswelle die Aussicht auf den Staatsmeistertitel versemmelte. 2018 folgte Neubauers Ausflug in die Rallye-Europameisterschaft. „Da habe ich viel Lehrgeld bezahlt, einen Fünffach-Überschlag geliefert und eher mäßige Leistungen abgeliefert“, erzählt dieser nachdenklich. Jetzt widmet er sich wieder ganz seinem Ziel, erneut österreichischer Staatsmeister zu werden.

Teurer Ganzjahressport Rallyefahren

„Wir fahren auf Schnee, Asphalt und Schotter – und das bei jedem Wetter“, berichtet der Rallye-Aficionado, „kleinere Rallyes nützen wir als Test, probieren einiges aus.“ Mittlerweile gibt es im Lungau tolle Eispisten und Eisbahnen für den Motorsport, zum Beispiel den Lungau-Ring. Sind die Trainingsmöglichkeiten im Süden des Salzburger Landes sonst eher bescheiden, findet Hermann Neubauer auf den präparierten Pisten im Winter tolle Trainingsmöglichkeiten vor.

Rallyefahren ist ein sehr teurer Sport, aber der Staatsmeister kann sich über zahlreiche loyale Sponsoren freuen. „Ich bin sehr stolz auf meine Partner, das sind nicht nur Sponsoren, sondern viele sind auch Freunde, darunter auch der Tourismusverband St. Michael“, berichtet Hermann Neubauer, der sein eigener Manager ist und mit Auftritten bei Messen und Veranstaltungen rund ums Jahr mehr als genug zu tun hat.

Im Lungau verwurzelt, auf Rallyestrecken zu Hause

Was ihn mit St. Michael verbindet? Da muss Herman Neubauer nicht lange überlegen. Er bezeichnet sich selbst als sehr heimatverbundenen Menschen, der die meiste Zeit seines Lebens am liebsten zusammen mit seiner Familie daheim im Lungau verbringt. „Der Zeitaufwand für die Rallyes ist enorm, auch deshalb habe ich mich aus der Europameisterschaft ausgeklinkt“, erzählt Hermann Neubauer, „da bleibt zu wenig Zeit für Job und Familie.“ St. Michael, so erzählt er, gibt ihm die Erdung und Kraft, die er braucht, um die beste Leistung bringen zu können. Was für ein schönes Kompliment für seine Heimat!

Das nächste Ziel ist ganz klar das Siegerpodest bei der österreichischen Staatsmeisterschaft 2019. Allerdings steht für Hermann Neubauer jetzt der Spaß am Motorsport im Vordergrund. „Bei der Europameisterschaft habe ich mir selbst einen solchen Druck gemacht, da hatte ich einfach keinen Spaß mehr, ich will halt einfach immer mehr und immer besser werden“, gewährt Hermann Neubauer einen tiefen Einblick in seine Rennfahrerseele und setzt hinzu: „Jetzt will ich wieder Freude am Fahren haben, aber natürlich auch gewinnen!“

Der Bolide: Neubauers Ford Fiesta R5

Wer mehr über Hermann Neubauer, seinen Co-Piloten Bernhard Ettel und sein vierrädriges Sportgerät erfahren möchte, ist auf der Website http://www.hn-racing.at/ genau richtig. Die kommenden Veranstaltungen, um den vielleicht nächsten Staatsmeister live zu erleben, sind die Rebenland-Rallye an der südsteirischen Weinstraße am 15. und 16. März 2019 sowie die Lavanttal-Rallye am 5. und 6. April 2019. Wir drücken schon einmal die Daumen und wünschen „unserem Hermann“ einen spannenden und unfallfreien Wettkampf!

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