LUNGAUER BRAUCHTUM – EINZIGARTIGES KULTURGUT

Mensch und Kultur im UNESCO Biosphärenpark

Lungau

Als UNESCO-Biosphärenpark trägt der Lungau eine besondere Verantwortung für Natur, Kultur und Mensch. Dabei spielt auch das Brauchtum eine essenzielle Rolle. Es wird hier als eigenständige Tradition noch immer von allen sozialen Bereichen getragen, gelebt und gepflegt. Zu allen Jahreszeiten finden sich im Lungau Bräuche, die es in dieser Form auch nur hier gibt.

Frühjahrsbrauchtum

Im Frühling geht es schon rund im Brauchtumskalender. Zu Ostern werden bis zu zehn Metern hohe Osterfeuer abgebrannt, die oft kunstvoll errichtet werden. Außerdem machen die Ratscherbuam die Runde. Mit aus Holz gebastelten Ratschen, ziehen sie durch die Orte und übernehmen in der Karwoche die Funktion der Kirchenglocken. Beim Gonesrennen in Wölting (Rennen des Gänserichs) jagen Männer symbolhaft in einem Spiel nach einer Partnerin. Ein Brauch der früher weit verbreitet war, inzwischen aber nur noch hier erhalten ist. Ebenfalls zu Ostern bringen die am Gründonnerstag gelegten Antlass-Eier Segen und Schutz für Hof, Vieh und Felder. Diese Eier sollen über besondere Kräfte verfügen. Auch das Eierfärben wird im Lungau etwas anders interpretiert. Dafür werden die Eier mit Gräsern und Blumen belegt, was beim Färben sehr schöne Muster ergibt. Beim Klöcken bringen berittene Männer auf Pferden die Peitschen zum Knallen. Das erfordert großes Können und soll die Wintergeister vertreiben. Im Thomatal findet Ende April der berühmte Georgiritt statt, bei dem zahlreiche Reitergruppen und Bauern ihre Pferde segnen lassen und durch den Ort reiten. Unmittelbar nach dem Georgiritt wird das Sauhaxenopfer dargebracht. Dabei steht der borstige Eber für den Winter, der durch das Opfer seiner Haxen das Scheiden des Winters symbolisiert.

Sommerbrauchtum

Im Sommer stößt man im Lungau vielerorts und zu vielen Anlässen auf den Riesen Samson. Samsonumzüge sind ein Stück echter Lungauer Identität. Seit 1635 ist dieser Brauch belegt, bei dem eine übermenschliche alttestamentarische Figur durch die Orte zieht. Er wird bei Festen und Feiern stolz hergezeigt. Auch die Prangstangen gehören zu den einzigartigen Bräuchen, die nur im Lungau zu finden sind. Prangstangen sind mit Blumen verzierte Holzstangen von beträchtlicher Länge (bis zu acht Meter). Die kunstvoll geschmückten Stangen bestehen aus tausenden von Blumen, die zu Girlanden geflochten werden. Sie werden nur in Zederhaus und Muhr bei einem jährlichen Umzug getragen. Wenn der Sommer an die Tür klopft brennen in den Lungauer Gemeinden die Sonnwendfeuer. In Ramingstein wird es zu diesem Anlass Sonnwendscheibenschlagen zelebriert. Dabei werden glühende Holzscheiben durch den Nachthimmel geschleudert.

Herbstbrauchtum

Das Wasserscheibenschießen am Prebersee hat inzwischen schon Kultstatus unter den Lungauer Bräuchen. Dabei versuchen die Schützen ihr Ziel über einen Abpraller von der Wasseroberfläche zu treffen. Die Kugel berührt also nach dem Abschuss zuerst die Wasseroberfläche und prallt von dort Richtung Zielscheibe ab. Das erfordert Geschick, Erfahrung aber auch eine Portion Glück. Im Herbst finden auch viele Almabtriebe statt, bei denen die Tiere festlich geschmückt werden und an den Zielorten große Feste stattfinden. Ein weiterer Herbstbrauch ist der Tamsweger Leonhardiritt. Dabei kommen die Teilnehmer zu Ehren des Kirchenpatrones der Wallfahrtskirche St. Leonhard zusammen. Im Herbst trifft man auch auf die Kasmandeln, die nach altem Volksglauben, die leeren Almhütten bewohnen. Zu Martini am 11. November ziehen die Sennleute traditionell aus ihren Almhütten aus. Dabei gehen verkleidete Kinder von Haus zu Haus und erzählen Gedichte und Geschichten vom Kasmandl. Am 24. April werden die Kasmandl unter großem Geläut wieder aus den Almhütten in die Berge vertrieben.

Winterbrauchtum

Zum Weihnachtsbrauchtum weltweit gehört das Lied Stille Nacht. Dieses hat seinen Ursprung im Lungau, wurde es doch 1816 in Mariapfarr von Joseph Mohr geschrieben. Ebenfalls zu Weihnachten, am Namenstag der heiligen Barbara, werden zu Ehren der Heiligen Kirsch-, Weichsel-, Apfel- oder Birnbaumzweige gewässert und nahe dem Ofen in einer Vase aufgestellt. Diese Barbarazweige sollen heilig Abend blühen und Glück bringen. Wie vielerorts kommen im Lungau auch Nikolaus und Krampus zu den Kindern. Der Krampus ist aber nicht zu verwechseln mit einem Schiachpercht, der zusammen mit den Schönperchten böse Geister vertreiben soll.