Mit Feuer und Stimme bei der Sache

Festivalmitorganisator und künstlerischer Leiter Reinhard Obermayer im Gespräch

Reinhard Obermayer ist seit der Gründung im Jahr 2002 federführend bei „Feuer & Stimme“, dem großen internationalen Chorfestival im Lungau. Auch 2017 kommen wieder rund 1000 Sängerinnen und Sänger aus ganz Europa nach St. Michael, um ihr Können zu zeigen und gemeinsam zu musizieren.

Herr Obermayer, wie ist das Festival „Feuer & Stimme“ entstanden?

Ich bin leidenschaftlicher Chorleiter und weiß, wie wichtig es für Chöre ist, nicht nur in ihrem eigenen kleinen Kreis zu wirken, sondern sich mit Gleichgesinnten zu verbünden. Damals habe ich für meinen Chor so eine Gelegenheit gesucht und gemerkt, dass es im Lungau über 30 Chöre und Ensembles gibt. Das ist eine enorme Summe, die man nicht überall findet – damit wollten wir etwas machen!

Was ist dann passiert?

Wie haben versucht, ein Profil zu entwickeln – was will ein Chor, wenn er eine andere Gegend aufsucht? Menschen kennenlernen und die Musik, die Gastlichkeit und auch das qualitätsvolle Singen genießen, sich von seiner besten Seite präsentieren. Genau das sind die Ingredienzen von „Feuer & Stimme“. Es geht ums menschliche Miteinander!

Das große Eingebundensein der Bevölkerung in das Fest ist dabei einzigartig – wir haben Hunderte Ehrenamtliche, die sich voller Elan mit uns um die Gäste und den reibungslosen Ablauf kümmern! Die Sänger können sich einfach zurücklehnen, sind geführt und geleitet. Das ist der Grundpfeiler, denn so kann es dauerhaft funktionieren, nicht nur ein paar Jahre lang.

Was geschieht während des Festivals?

Die Chöre haben die Gelegenheit, in einer lockeren Atmosphäre bei einem ersten Treffen in der Festhalle Gedankenaustausch treiben und ungezwungen reden zu können.

Am Samstag gibt es dann eine Bergwanderung, da ist viel Zeit und Gelegenheit, sich mit den anderen auszutauschen. Eine wunderbare Bergandacht wird gefeiert, das stärkt das musikalische Miteinander. Mehr als 1000 Stimmen erheben ihre Klänge zum Himmel – das ist schon sehr beeindruckend.

Dann bereiten sich alle auf die Konzertauftritte vor, es gibt vier Konzerte an tollen Auftrittsstätten, da können alle zeigen was sie drauf haben.

Wir haben bewusst keinen Bewerb daraus gemacht, weil der zwar heraushebt aber auch viel Enttäuschung stiftet. Bei uns können sich alle Chöre in den Gattungen, in denen sie bewandert sind, einschreiben. Deshalb ist unsere musikalische Bandbreite so groß: Kammerchöre, Madrigalchöre, Volksmusikchöre… wir haben offene Tore für alle Musikgattungen, Vielfalt und Buntheit, Beteiligung aus dem In- und Ausland.

Woher kommen die Chöre?

Es ist immer wieder faszinierend, wie vielfältig die Prägungen der Musik sind aus den verschiedensten Regionen Österreichs und Europas. Wir hatten und haben immer wieder Norwegen, Lettland, Russland, Tschechien, die Niederlande, Italien, Deutschland und einige andere dabei. Natürlich jedes Jahr auch alle österreichischen Bundesländern, sowohl aus der dörflichen Region als auch städtische Chöre. Und natürlich haben wir Bedacht drauf, dass der Lungau gut repräsentiert ist, das ist wichtig. Das Ganze ergibt eine sensationelle Bandbreite und macht das Besondere aus!

Wie ist das Großevent organisatorisch zu stemmen?

Es muss eine Obergrenze geben. Wunderschön und leicht zu managen ist alles, wenn wir ungefähr 40 Chöre und Ensembles haben, alles was darüber hinaus geht stößt an Grenzen. Auch was das Räumliche betrifft für großes gemeinsames Singen auf den Plätzen von St. Michael – hier sind rund 1200 Singende einfach die Grenze. Aus dem Lungau melden sich jedes Jahr ungefähr 10 Chöre an. Die müssen nicht beherbergt werden, da kann man das Limit ein wenig anheben. Die Chöre fühlen sich herzlich aufgenommen, brauchen aber natürlich viele Chorbetreuer! Da dürfen wir den Bogen nicht überspannen, bei all der Größe darf die menschliche Komponente nie fehlen.

Welche Unterstützung kommt aus der Gegend selbst?

Eine unglaublich große! Wir haben zunächst einmal ein tolles und professionelles Kernteam für die Organisation, seit dem ersten Festival 2002. Am Anfang haben wir es alle zwei Jahre organisiert, dann sind die Anmeldungen so rasant angestiegen, dass wir uns getraut haben, es jährlich zu machen.

Seit jeher haben wir eine exzellente Zusammenarbeit mit dem Tourismusverband – selbst mit der besten Idee könnte man ohne professionelle Kräfte nichts machen. Und dann gibt es eben wirklich Hunderte Ehrenamtliche, die Jahr für Jahr da sind – das ist rührend und berührend.

Kann man schon etwas zu „Feuer & Stimme“ 2017 sagen?

Ja, wir haben jetzt schon 24 fixe Anmeldungen, und das noch, ohne die Lungauer dazu zu zählen – allzu viele Plätze sind also nicht mehr offen. Wir haben Anmeldungen aus den Niederlanden, Deutschland, Südtirol, Ungarn und auch schon aus allen österreichischen Bundesländern.

Sensationell finde ich, dass die Lungauer Chöre sich mit so viel Enthusiasmus ins Festival einbringen. Da gibt es auch für die Lungauer Chöre ein schönes Gefühl der musikalischen Zusammenarbeit. Ich bin als Bezirkschorleiter für die Chöre in der Region verantwortlich – diesen Zusammenhalt kann man sich in anderen Bezirken nur wünschen.

Die beste Idee ist ohne die anderen nicht realisierbar – ich bin meinen Mitkämpfern und den vielen Ehrenamtlichen unendlich dankbar, dass wir sie Jahr für Jahr gemeinsam weitertragen!