OSTERN IM LUNGAU

Einzigartiges Brauchtum zwischen Ratschen und Eiern

Osterfeuer

In anderen Regionen sind sie oft schon verschwunden, im Lungau brennen zu Ostern noch immer große Feuer. Holztürme mit bis zu zehn Metern Höhe werden hier abgebrannt. Die oft kunstvoll gezimmerten Türme werden über mehrere Wochen errichtet und in der Nacht auf Ostersonntag entzündet. Dies ist, wie viele andere Osterbräuche ursprünglich keine christliche Tradition. Sie wird heutzutage aber als Freudensymbol über die Auferstehung Jesu interpretiert.

Ratscherbuam

In der Karwoche stehen die Glocken still. Sie fliegen am Gründonnerstag bekanntlich nach Rom und läuten erst wieder am Ostersonntag. Die Aufgabe der Glocken übernehmen für diese Zeit die Ratscherbuam. Ratschen sind aus Holz gebastelte Instrumente, die einen lauten und knatternden Ton erzeugen. Mit diesen Trommelratschen ziehen meist Schüler durch die Orte und singen: „Wir ratschen, wir ratschen den englischen Gruas (= Engelsgruß), den jeder Christgläubige betn muas. Foits niada auf enkane Knia, bets drei Vaterunser und a Ave Maria.“ Am letzten Tag singen sie: „Wir ratschen und ratschen zum letzten Mal z´samm, weil die Glocken sind wieder da aus Rom.“ Dafür gibt’s dann oft kleine Gaben als Dankeschön von den Dorfbewohnern.

Gonesrennen

Nur noch in Wölting findet sich noch ein ganz spezieller Brauch, der früher im Lungau weit verbreitet war. Am Ostersonntag findet das alljährliche Gonesrennen statt – das Rennen des Gänserichs. Pärchen bilden dabei eine lange Reihe. Ganz vorne steht ein Mann der keine Partnerin hat – der Gones. Das letzte Paar muss getrennt losrennen wenn der Gones ruft: „Gones, Gones Kikeriki, ´as letzte Paadl her fia mi!“. Nun versucht der Gones die Frau zu fangen. Wenn er es schafft, stellt er sich mit der Frau wieder in die Reihe und der verbliebene Mann ist der neue Gones.

Antlasseier

Der Volksglauben war davon überzeugt, dass am Gründonnerstag gelegte Eier über besondere Kräfte verfügen. Wenn man sie an bestimmten Stellen vergräbt, sollen sie Hof, Vieh und Felder schützen. Auch ein Wurf über das Hausdach soll den Schutz auslösen.

Grawirlacheier

Auch das Eierfärben ist im Lungau etwas anders als sonst wo. Dafür werden traditionell Gräser und Blumen gepflückt. Die Eier werden gekocht und die Pflanzen und Zwiebelschalen mit Zwirn an den Eiern befestigt, oder in ein Tuch gewickelt. Mit einem Esslöffel legt man die Eier in das Farbbad und die Stellen mit den Pflanzen ergeben schöne Muster auf den Schalen.