Von Sauschneidern und historischen Schätzen

Frederik Scharinger im Gespräch

Frederik Scharinger ist im ganzen Lungau bekannt – als Historiker ebenso wie als Ortsführer und Schauspieler. Er erklärt, warum man geschichtlich nicht immer einer Meinung sein muss, weshalb die Lungauer ruhig stolz auf ihre Gegend sein dürfen und was er hier besonders mag…

Herr Scharinger, woher kommt Ihr Interesse an Geschichte und an der Region?

Ich bin gebürtiger Niederösterreicher, als Lehrer und Theatermann hat es mich 1973 in den Lungau verschlagen. Ich habe mich immer schon für Geschichte interessiert, habe auch mit einem Archäologie-Studium begonnen. Als ich dann gemerkt habe, dass die Kinder in der Schule wenig Ahnung von Geschichte hatten, habe ich mich darangemacht, die Historie ihrer Region für sie aufzubereiten.

Zuerst habe ich Vorträge für Erwachsene entwickelt und gehalten, dann sind die Ortsführungen entstanden – beides mache ich bis heute immer noch. Allein zum diesjährigen Jubiläum, 600 Jahre Markt St. Michael, habe ich Dutzende Vorträge gehalten. Das Wissen über die Region habe ich mir insbesondere aus Büchern angeeignet sowie in Diskussionen mit Einheimischen und Historikern.

Dank Internet und Büchern kann man heute ein Privatgelehrter sein und muss nicht mehr unbedingt zur Uni gehen, aber natürlich bin ich sehr vorsichtig mit den Quellen, auf die ich mich stütze.

Was möchten Sie den Menschen bei Ihren Vorträgen und Führungen mitgeben?

Wenn jemand sich für die lokale Geschichte interessiert, dann sind es oft Leute, die nicht aus dem Ort sind. Dabei können die Lungauer so stolz auf ihre Gegend sein! Die Geschichte und Kultur, die Plätze und Gebäude sind hier einmalig – von der Kirche bis zum Getreidespeicher mit keltischen Symbolen, alles historische Schätze!

Also erzähle ich bei meinen Führungen von den Sauschneidern, von den Kelten in St. Michael, von Kraftplätzen und Marktrichtern, von der Bauernherrschaft und der Kirche.

Im Herbst habe ich die Vorträge zum 600. Jubiläum von St. Michael abgeschlossen, jetzt widme ich mich meinem Buchprojekt über die Geschichte der Marktgemeinde St. Michael, mit Bezug auf die Geschichte des Lungaus, das ich nächstes Jahr im Eigenverlag herausgeben möchte.

Was schätzen Sie am Lungau besonders?

Am Lungau allgemein die Natur, an St. Michael und den anderen Orten die Menschen! St. Michael hat einen starken Zusammenhalt, man kennt sich, kann jemanden anreden wenn man etwas braucht – das schätze ich sehr. Damals, in den 70er Jahren, habe ich mich in die Gegend verliebt und beschlossen, hier zu bleiben. Inzwischen lebe ich halb hier und halb in Prag, ich möchte die Gegend nicht missen!

Die bewegte Geschichte des Lungaus ist einzigartig. Ich sage oft: In Griechenland staunen die Menschen, wenn sie über alte Steine wandeln – hier wissen sie oft gar nicht, was für historische Schätze sie da vor sich haben!

Auch die vielen Initiativen in und um St. Michael gefallen mir ausgesprochen gut – der Bürgermeister ist ein ehemaliger Schüler von mir, ein fähiger und sehr verbindender Mensch, genau so einer tut der Gegend gut. Und ich freue mich, meinen Teil zur Verbreitung des Wissens über die Menschen, die vielfältige Geschichte und Kultur des Lungaus beitragen zu können!